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am 28. März 2014

Fragen und Antworten zur Windenergie

Stefan Kaineder - Der Bezirksvorstand der Grünen Steyr-Land beantworten Fragen, die zur Windenergie und zu den Windrädern gestellt werden.

Windkraft
WIE IST DER STAND DES WINDPARKPROJEKTES SONNKOGEL?

Am Bergrücken des Sonnkogels Richtung Schneeberg auf den Gemeindegebieten Reichraming und Ternberg plante die private Firma ProEEN sieben Windräder zu errichten. Die betroffenen Gemeinden Ternberg und Reichraming haben sich in den letzten Jahren grundsätzlich für Windenergieanlagen auf ihren Gemeindegebieten ausgesprochen und das Umwidmungsverfahren eingeleitet. Seit 2012 laufen nun gleichzeitig die Behördenverfahren auf Landes- und Gemeindeebene und auch die weiteren Planungen der Betreibergesellschaft. Im April 2014 haben die GemeinderätInnen in Reichraming mit 16 pro und 2 Gegenstimmen beschlossen, den Antrag auf Sonderwidmung für Energiegewinnung abzulehnen. Somit wurden die Planungen für den Windpark abgebrochen.

BREITER KONSENS BEIM AUSBAU DER WINDENERGIE

Die Landesregierung hat im Jahr 2007 das Programm „Energiezukunft 2030“ einstimmig beschlossen. Bis 2030 soll 100 Prozent der Raumwärme und 100 Prozent der elektrischen Energie aus erneuerbaren Energiequellen kommen.

Einer der Maßnahmenpunkte ist der Ausbau der Windenergie in Oberöstereich. „Windkraft soll dort entstehen, wo diese getragen wird“, betont Rudi Anschober. Um die Planungen von Windparks in Oberösterreich koordiniert durchzuführen und auch den betroffenen GemeinderätInnen eine Beschlussgrundlage zu bieten, wurde das gesamte Land auf seine Eignung zur Errichtung von Windkraftanlagen hin untersucht. Daraus entstand der Windmasterplan, der Oberösterreich in Verbots-, Vorrang- und neutrale Zonen einteilt. Der Masterplan wurde von den zuständigen Fachabteilungen des Landes OÖ unter Mitwirkung des Umweltanwalts, der Naturschutzorganisationen und der alpinen Vereine erarbeitet und von der Landesregierung einstimmig beschlossen.

ENNSTAL EIGNET SICH GUT FÜR WINDKRAFT

Das Gebiet Sonnkogel wurde im Windmasterplan als Vorrangzone ausgewiesen. Bei der Planung der Vorrangzonen wurde besonders auf den Abstand von besiedelten Gebieten Rücksicht genommen. Daher sind alle Vorrangzonen in Waldgebieten zu finden. Die Region Ennstal hat neben der Wasserkraft der Enns auch gute Bedingungen für die Stromerzeugung aus Wind. Diese Ressource zu nützen ist für die Entwicklung des Landes sehr wichtig.

Es geht hier nicht um das Opfern eines Stückes Landschaft für immer mehr Stromkonsum, sondern um die Umstellung des schon vorhandenen Stromverbrauchs von Fossil (Kohle, Gas) auf regenerativ (Wind).

WIR HABEN SCHON GENUG STROM AUS WASSERKRAFT!

Der Großteil des Stroms wird von der Energie AG durch Wasserkraftwerke erzeugt. Aber fast 30 Prozent des Stroms werden nach wie vor aus Kohle und Gas gewonnen. Die Energie AG besitzt ein (fast neues) Gaskraftwerk in Timelkam (400 MW) und zwei Kohlekraftwerke in Riedersbach (55 MW & 168 MW). Beide Kraftwerke erzeugen nicht nur zusätzliche elektrische Energie, da die Erzeugungsmöglichkeiten für Wasserkraftstrom in Oberösterreich fast ausgeschöpft sind. Sie sind auch nötig, wenn im Winter wegen der niedrigeren Wasserführung weniger Strom aus den Wasserkraftwerken zur Verfügung steht.

Soll also die Erzeugung von elektrischer Energie auf eine nachhaltige und umweltneutrale Basis umgestellt werden, so sind mehr als 30 % der Erzeugung der Energie AG davon betroffen. Windkraft ist neben Photovoltaik und Biomasse eine wichtige Säule im erneuerbaren Energiemix.

WARUM BRAUCHEN WIR DIE WINDENERGIE?

Neben der Sonneneinstrahlung (Photovoltaik) und der Wasserkraft ist Wind eine kostenlose Ressource zur Erzeugung elektrischer Energie. Ist ein Windkraftwerk aufgestellt, so sind alle Kosten für das Kraftwerk bekannt, der Betrieb kostet dagegen relativ wenig. Die Stromerzeugung ist daher sehr gut planbar und zukunftssicher. Ganz im Gegensatz zu Biomasse-, Gas-, Kohle-, Öl- oder Atomkraftwerken.

LIEBER ENERGIESPAREN STATT WINDRÄDER BAUEN?

Stromsparen ist sicher die beste aller Ideen. Die Potentiale für weniger Stromverbrauch sind zwar vorhanden, aber es werden wohl kaum mehr als 10% des Gesamtverbrauchs sein. Neue Geräte, die auch wieder Strom verbrauchen, kommen regelmäßig hinzu. Industrielle Großverbraucher (VÖEST, Papiererzeugung,…) nutzen schon seit langem eigene Prozesse zur Stromerzeugung. Daher sind die Planungen des Landes schon recht optimistisch, wenn man unterstellt, dass der Stromverbrauch in etwa gleich bleiben wird.

Entweder man bleibt bei den fossilen Kraftwerken und ersetzt eben Kohle (oder Öl) durch Gas oder es wird mehr Strom importiert. Bei Importstrom ist allerdings immer auch Atomstrom dabei.

WARUM SIND DIE WINDRÄDER SO GROSS

Wie bei vielen technischen Anlagen gilt auch bei der Windkraft, dass die Erzeugungskosten für das Produkt (die Kilowattstunde) geringer wird, je größer die Anlage ist. Der Wind weht auch gleichmäßiger, wenn der Abstand zum Boden höher ist. Außerdem kann man Windräder, die 50m Höhe als Propellerunterkante haben, auch in einen Wald hineinstellen ohne die Waldfläche großflächig roden zu müssen.

WELCHE DIMENSIONEN HAT DER WINDPARK AM SONNKOGEL?

Die private Betreiberfirma ProEEN plante sieben Windräder zu je 2,3 MW Leistung. Die erwartete Stromerzeugung wären 25 - 30 Gigawattstunden pro Jahr. Mit dem Ertrag hätte der jährliche Strombedarf von 5500 bis 6500 Haushalten mit elektrischer Energie abgedeckt werden können.

DER WINDPARK BRAUCHT VIEL LANDSCHAFT?

Beim Bau der Windanlagen wird es zu Rodungen und begrenzten Baggerungen kommen. Die Zufahrt erfolgt auf bereits gebauten Forststraßen, die teilweise verbreitert werden müssen. Von der Haupt-Forststraße müssen zu den einzelnen Standorten eigene Stichstraßen neu gebaut werden, jeweils einige hundert Meter lang. Auch muss Platz für sieben ca. 20 x 20 Meter große Fundamente geschaffen werden.

Das ist aber im Vergleich nichts gegen ein Wasserkraftwerk mit seinem kilometerlangen Stauraum und der riesigen Staumauer. Der Vorteil der Windanlagen gegenüber Wasserkraftwerken: Sie können wieder abgebaut werden und nach geraumer Zeit sieht man am Gelände nichts mehr, weil alles wieder zuwächst.

WINDRÄDER SIND TECHNISCH NOCH NICHT AUSGEREIFT!

Allein in Deutschland sind mehr als 20.000 Windräder in Betrieb, in Österreich mehr als 1000 Anlagen. Die neueste Generation von Windrädern der 3-MW-Klasse ist seit einigen Jahren lieferbar und in tausenden Exemplaren rund um den Globus installiert. Hier von nicht ausgereiften Anlagen zu sprechen ist lächerlich.

WINDKRAFTWERKE BRAUCHEN AUSGLEICHSKRAFTWERKE!

Auch für die Wasserkraft braucht es Ausgleich in Zeiten geringer Wasserführung, etwa im Winter. Daher hat die Energie AG Dampfkraftwerke in Riedersbach und Timelkam errichtet. Die Kraftwerke erzeugen aber nicht nur Ausgleichsenergie sondern auch zusätzlichen Strom, da die Strommenge, die die Wasserkraft liefert nicht mehr ausreicht. Windenergie liefert aber auch im Winter Ausgleichsenergie für die Wasserkraft, weil auch im Winter der Wind weht. Damit wird weniger Energie aus Dampfkraftwerken benötigt.

WINDRÄDER BEEINTRÄCHTIGEN DEN TOURISMUS NICHT!

Das Beispiel Laussa zeigt, dass der Tourismus unter den Windrädern nicht gelitten hat „Die Windräder in der Laussa waren für die Tagestourismus förderlich, die Übernachtungen sind gleich geblieben“, antwortet Bürgermeister Dipl.-Ing. Josef Gsöllpointner auf unsere Anfrage.

WINDRÄDER VERSCHANDELN DAS LANDSCHAFTSBILD!

Die geplanten Windräder sind so hoch, dass sie auch in der Hügellandschaft der Voralpen weithin sichtbar sein werden. Die GegnerInnen bezeichnen das als Verschandelung der Landschaft.

Man kann die Windräder auch als weithin sichtbares Wahrzeichen dafür sehen, dass die Leute in dieser Region ihren Strom aus nachhaltiger Erzeugung beziehen. Jeder und jede, die dort leben und die dort als BesucherInnen und Touristen hinkommen, können das sehen. Ein deutlicheres Bekenntnis zu einer Zukunft ohne Ressourcenverschwendung ist kaum möglich.

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